Die Ganzkörperbestrahlung (engl. Total Body Irradiation, TBI) ist eine spezielleStrahlentherapieform, bei der der gesamte Körper homogen mitionisierender Strahlungbestrahlt wird. Sie dient primär der myeloablativen Konditionierung vor einerhämatopoetischen Stammzelltransplantation (HSZT) bei hämatoonkologischenErkrankungen wie akuten Leukämien (ALL, AML), chronischer myeloischer Leukämie(CML), myelodysplastischen Syndromen (MDS) und Lymphomen.
Ziel ist die Zerstörung strahlenempfindlicher Tumorzellen, des körpereigenen Knochenmarks und des Immunsystems, um das Anwachsen Spenderstammzellen(allogene HSZT) zu ermöglichen und eine Abstoßungsreaktion zu verhindern. Die TBI erfolgt typischerweise in Kombination mit hochdosierter Chemotherapie.
Technisch wird eine große Quelle-Patient-Abstand (z. B. 4–6 m) genutzt, um das Strahlungsfeld durch Divergenz den ganzen Körper abzudecken. Häufige Techniken umfassen posteriore-anteriore Fraktionierung (z. B. 2 Gy/Fraktion, 2× täglich, Gesamtdosis 10–12 Gy über 3–6 Tage), spezielle Liegen (z. B. Berliner-Stuhl) und Lungenschonung durch individuelle Bleiblöcke (Lungenblöcke). Die Planung basiert auf Ganzkörper-CT. Als Nebenwirkungen treten akut Übelkeit, Mukositis und Pneumonitis auf; langfristig können sekundäre Malignome und Organfibrosen entstehen. Die Dosisverteilung muss bei einer Ganzkörperbestrahlung homogen (±10%) gehalten werden.
Aktuelle multizentrische Auswertungen der DGMP‑Arbeitsgruppe Großfeldbestrahlung zeigen, dass in Deutschland und der Schweiz mehrere Haupttechniken parallel im klinischen Einsatz sind, darunter klassische verlängerte SSD‑Techniken mit stehender oderliegender Lagerung, translational bewegte Bett‑/Gantry‑Techniken sowie zunehmend CT‑basierte, planungs‑CT‑gestützte intensitätsmodulierte Ansätze (IMRT/VMAT‑TBI).
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Diese Techniken unterscheiden sich hinsichtlich Lagerung, Feldführung, Dosisverteilung, Planungs‑Workflow und Verifikationsstrategie, erreichen aber bei adäquater Implementierung vergleichbare klinische Effektivität. Intensitätsmodulierte Verfahren gewinnen insbesondere wegen ihrer besseren Möglichkeiten zur Organ‑at‑risk‑Schonung (z.B. Lunge, Nieren, Linse) und der genaueren Reproduzierbarkeit der Dosisverteilung an Bedeutung, gehen allerdings mit höherer Planungs‑und QA‑Komplexität einher. Multicenter‑Vergleiche unterstreichen die Notwendigkeit standardisierter Protokolle für Dosisverschreibung, Homogenitätskriterien, Lagerung und Qualitätssicherung, um trotzunterschiedlicher technischer Realisierungen konsistente, vergleichbare TBI‑Behandlungen zu gewährleisten.