SLN-Diagnostik

Auf einen Blick

Die SLN-Diagnostik dient der prä- und intraoperativen Lokalisierung des oder der Wächterlymphknoten mit dem Ziel, das Operationsausmaß und die postoperative Morbidität zu minimieren und die histopathologische Aufarbeitung auf die relevanten Lymphknoten zu fokussieren. Verwendet werden Tc-99m-markierte Kolloide (Teilchengröße ca. 20–100 nm); die Lokalisierung im OP erfolgt mit einer Gamma-Handmesssonde. Die Szintigraphie selbst trifft keine Aussage über einen tumorösen Befall.

Strahlenschutz: Handhabungsaktivität im OP ≤ Freigrenze von Tc-99m (10 MBq); die Patientendosis beträgt wenige mSv; Operateur, OP-Personal und Pathologe müssen auch bei häufiger Durchführung in der Regel nicht als beruflich strahlenexponierte Personen eingestuft werden (effektive Dosis < 1 mSv/a).

Inhaltsverzeichnis

Einleitung und Zielsetzung

Bei der Wächterlymphknoten-Diagnostik (engl. sentinel lymph node, SLN) handelt es sich um ein nuklearmedizinisches Verfahren zur prä- und intraoperativen Lokalisierung desjenigen Lymphknotens – oder der wenigen Lymphknoten –, der das Lymphabflussgebiet eines Primärtumors als erstes drainiert. Aus dem Befallsstatus dieses Knotens wird auf den Lymphknotenstatus des gesamten Abflussgebiets geschlossen. Die Methode verbindet eine präoperative Lymphabfluss-Szintigraphie mit der intraoperativen Gammasondenmessung und mündet in die selektive Entnahme des markierten Knotens (Sentinel-Lymphonodektomie, SLNE).

Ziele des Verfahrens gemäß DGN-Handlungsempfehlung sind:

Wichtiger Hinweis zur Einordnung: Die SLNE ist nach derzeitigem Wissensstand primär eine diagnostische Staging-Maßnahme. Ob die alleinige Entnahme des Wächterlymphknotens das Patientenüberleben verbessert, ist insbesondere beim malignen Melanom und beim Mammakarzinom nicht abschließend belegt. Der individuelle Nutzen ergibt sich aus der reduzierten operativen Morbidität und der zuverlässigen Bestimmung des Nodalstatus als prognostischem Faktor.

Konzept und Definitionen

Das Radiopharmakon wird in die Umgebung des Primärtumors appliziert, über das Lymphsystem abtransportiert und im ersten drainierenden Lymphknoten angereichert. Szintigraphisch gilt zunächst jeder speichernde Lymphknoten im Abflussgebiet des Tumors als SLN. Die Zuordnung erfolgt über die anatomische Lage zum Tumor und den relativen Uptake. Das klassische dynamische Kriterienschema (eigene Lymphbahn, Erscheinungszeit) ist heute nachrangig.

abb1 sln konzept
Prinzip der SLN-Diagnostik: Das peritumoral applizierte Radiopharmakon wird über die Lymphbahn in den ersten drainierenden Lymphknoten (SLN) transportiert; der weit überwiegende Teil verbleibt als Depot am Injektionsort.

Bei mehr als drei speichernden Knoten werden zunächst die am stärksten speichernden bis zu einer Anzahl von n = 3 entnommen; anschließend gilt eine Count-Ratio von 1:10 bezogen auf den am stärksten anreichernden SLN als pragmatische Abbruchregel.

Indikationen und Kontraindikationen

Die SLN-Diagnostik kommt typischerweise im Frühstadium zum Einsatz, in dem die Prognose von der lymphogenen Metastasierung abhängt. Voraussetzung ist der Ausschluss einer bereits gesicherten Lymphknoten- oder Fernmetastasierung – ist diese bildgebend oder klinisch eindeutig nachgewiesen, ist die SLNE und damit die Szintigraphie üblicherweise nicht mehr indiziert (Ausnahme: lymphogen oligometastasiertes Prostatakarzinom, s. u.).

Tumorentitäten

Kontraindikationen

Hinweis: Makroaggregiertes Albumin ist ein humanes Blutprodukt. Patientinnen und Patienten, die den Zeugen Jehovas angehören, sind hierüber aufzuklären.

Radiopharmaka

Standard ist ein mit Tc-99m markiertes Kolloid / makroaggregiertes Albumin mit einer Teilchengröße von ca. 20–100 nm. Diese Größe gewährleistet einen ausreichend schnellen Lymphtransport bei gleichzeitiger Retention im Wächterlymphknoten; der weit überwiegende Teil verbleibt am Injektionsort (Depot). Die zu applizierende Aktivität ist so zu wählen, dass auch schwach anreichernde SLN szintigraphisch dargestellt werden und am Operationstag – unter Berücksichtigung von Zerfall, Sondenempfindlichkeit, minimalem Uptake und Messgeometrie – ein ausreichendes Targetsignal erreicht wird.

Alternative Tracer

Applikation - Übersicht nach Tumorentität

Injektionsart, -volumen und Gesamtaktivität richten sich nach der untersuchten Region (Werte nach DGN-Handlungsempfehlung; Annahme: OP ca. 24 h p. i., Sondenempfindlichkeit ca. 10 cps/kBq):

Parameter Melanom Mamma-Ca HNO-Tumor Vulva-Ca Table Penis-Ca
Injektionsart
intradermal, peritumoral bzw. um die Narbe
periareolär (peritumoral/subdermal optional)
intramukosal, peritumoral bzw. um die Narbe
peritumoral, intra-/subkutan
peritumoral, intra-/subkutan
Injektionen
≥ 2
1–2 (periareolär); 4 (peritumoral)
≥ 3
≥ 2
≥ 2
Volumen / Inj. (ml)
0,05–0,2
0,2–1,0
0,05–0,2
0,05–0,2
0,05–0,2
Gesamtaktivität (MBq)
(40–)80–100
100(–200)
40–100
(40–)80–100
(40–)80–100
Lokalanästhesie
empfindl. Stellen (Lidocain/Procain)
Xylocain-Spray
ggf. Lidocain/Procain
Lidocain/Procain

Applikationsparameter nach Tumorentität. In der Praxis bestehen begründbare Abweichungen; maßgeblich ist eine ausreichende Darstellbarkeit auch schwach speichernder SLN

Präoperative Diagnostik

Vorbereitung und rechtfertigende Indikation

Datenakquisition und Bildgebung

Akquiriert werden planare Aufnahmen, deren Zeitpunkt flexibel in den Arbeitsablauf integriert werden kann: frühstatisch (ca. 10–30 min p. i.) und/oder spätstatisch (ca. 1–4 h p. i., bis 24 h p. i.). Eine dynamische Lymphszintigraphie ist nur dann sinnvoll, wenn In-transit- oder Intervall-Lymphknoten vorkommen können (z. B. bei Hauttumoren distal von Ellenbeuge oder Knie). Für das Mammakarzinom ist die dynamische Akquisition gemäß Konsensus der Deutschen Gesellschaft für Senologie nicht erforderlich und in der aktuellen Leitlinie abgewertet.

Typische Aufnahmeparameter: Großfeld-Gammakamera mit LEHR-/LEGP-Kollimator, 128×128-Matrix, mindestens 100 kcts (bzw. 2–10 min/Bild). Zur Körperkonturierung eignen sich eine schwach aktive Co-57-Flachquelle oder eine Tc-99m-Spritzenquelle (Transmissions-/Markierungsbild).

SPECT/CT – soweit verfügbar – erleichtert die anatomische Zuordnung insbesondere bei Vulva-, Penis- und Kopf-Hals-Tumoren.

Sonderfall Mammakarzinom: Stellt sich bis ca. 1 h p. i. kein SLN dar, können Bewegungsübungen, Massage und/oder Erwärmung den Abfluss fördern. Andernfalls ist eine Nachinjektion zu erwägen.

Befundung, SLN-Definition und Dokumentation

Die Festlegung des/der SLN erfolgt nach folgenden Kriterien (mit absteigender Bedeutung):

  1. eigene Lymphbahn(en),
  2. Erscheinungszeit,
  3. anatomische Lage zum Tumor,
  4. relativer Uptake.

Zu dokumentieren sind insbesondere:

  • eindeutige Beschreibung von Lage und Anzahl der SLN sowie die szintigraphischen Aufnahmen;
  • die mit der Messsonde gemessene maximale Zählrate über dem SLN auf der Haut;
  • die maximale Zählrate über dem Depot (Injektionsstelle) auf der Haut.

Eine Hautmarkierung des SLN ist mit dem Operateur abzustimmen, beim Mammakarzinom in der Regel entbehrlich. Bei optimaler Durchführung gelingt der präoperative SLN-Nachweis bei > 95 % der Patientinnen und Patienten – abhängig von Voroperationen und Narben.

Intraoperative Lokalisierung

Vorgehen

Die SLN werden meist mit einer Gamma-Handmesssonde (seltener mit einer mobilen Gammakamera) lokalisiert und entnommen. Das Sondensignal liefert eine Richtungsinformation und führt den Operateur zum Knoten; die Anzeige kann optisch, digital, analog oder akustisch erfolgen. Typischer Ablauf:

  1. Wenn möglich, Entfernung bzw. Berücksichtigung des Depots (z. B. beim Melanom).
  2. Transkutane Lokalisation des SLN mit der Messsonde, dann Eröffnung der Region.
  3. Intraoperative Lokalisation und Resektion des SLN; Messungen aus mehreren Richtungen und nach den einzelnen Präparationsschritten.
  4. Ex-vivo-Messung des resezierten SLN und Abgleich mit dem Erwartungswert.
  5. Messung der verbliebenen Untergrund-/Restzählrate; bei hoher Restaktivität Abwägung einer Nachresektion.
  6. Ggf. Wiederholung für weitere SLN; korrekte Beschriftung der Präparate.

In der unten aufgeführten Bilderreihe ist der Ablauf einer SLN-Szintigraphie mit anschließender Resektion exemplarisch für ein malignes Melanom im Bereich der Lendenwirbelsäule dargestellt.

Erwartete Messwerte

Zählrate auf der Haut – Zerfallskorrektur

Der in der Nuklearmedizin gemessene Hautwert reduziert sich bis zur OP entsprechend der Halbwertszeit von Tc-99m (T½ = 6 h) und dem exponentiellen Zerfallsgesetz.

Stunden nach NM-Messung Zerfallsfaktor Stunden nach NM-Messung Zerfallsfaktor
2
0,79
18
0,13
4
0,63
20
0,10
6
0,50
22
0,08
8
0,40
24
0,06
10
0,31
26
0,05
12
0,25
28
0,04
14
0,20
30
0,03
16
0,16
32
0,02

Zerfallstabelle für Tc-99m (T½ = 6 h)

Intraoperative und Ex-vivo-Werte

Wegen der geringeren Distanz fallen die intraoperativen und Ex-vivo-Werte höher aus als auf der Haut – zu erwarten ist etwa das 2- bis 3-fache des Hautwerts. Der ex vivo gemessene Wert kann gegenüber der intraoperativen Messung leicht niedriger liegen.

Intraoperative und Ex-vivo-Werte

Richtwerte für die verbliebene Untergrundzählrate (entitätsabhängig):

  • Dermatologische Entitäten: ca. 95 % der Werte zwischen 0 und 20 cps (Mittelwert ≈ 10 cps); selten bis ca. 35 cps.
  • Gynäkologische Entitäten: ca. 85 % der Werte zwischen 0 und 20 cps (Mittelwert ≈ 20 cps); vereinzelt bis ca. 150 cps.

Bei Werten > 30 cps sollten die Sonde auf Kontamination geprüft, die Lage des Depots berücksichtigt und die Resektion weiterer Lymphknoten erwogen werden.

Physik und Messtechnik der Gammasonde

Detektoraufbau

Intraoperative Messsonden nutzen meist einen Halbleiterdetektor, dessen Funktionsprinzip dem einer Ionisationskammer ähnelt – allerdings wird statt eines Gases ein Festkörper ionisiert. Durch Dotierung mit Donatoren und Akzeptoren und Anlegen einer Spannung in Sperrrichtung entsteht eine nichtleitende Verarmungszone. Einfallende Gammaquanten erzeugen Elektron-Loch-Paare, deren Anzahl proportional zur deponierten Energie ist und ein entsprechendes elektrisches Signal liefert. Gebräuchliche Materialien sind Silizium, Germanium und Cadmiumtellurid (CdTe). Alternativ kommen Szintillationsdetektoren zum Einsatz.
In Kombination mit einem Vielkanalanalysator, der die Signalhöhen nach Energie sortiert, lässt sich das Energiespektrum der Strahlenquelle darstellen.

abb2 signalkette sonde
Signalkette der Sonde: Der Halbleiterdetektor wandelt einfallende Gammaquanten in ein energieproportionales elektrisches Signal; der Vielkanalanalysator sortiert die Signalhöhen kanalweise und erzeugt das Energiespektrum.

Energiespektrum: Photopeak und Compton-Kontinuum

abb3 energiespektrum
Schematisches Energiespektrum: Das Compton-Kontinuum (Teilenergiedeposition) erlaubt keine Nuklididentifikation; der Photopeak (vollständige Energiedeposition, 140 keV) ist nuklidcharakteristisch. Das Energiefenster wird auf den Photopeak gelegt.

Qualitätskriterien der Sonde

Kriterium Bedeutung Richtwert (Tc-99m)
Nachweisempfindlichkeit (Sensitivität)
Registrierte Zählrate je Aktivität (cps/kBq); steigt mit Fensterbreite und Detektorgröße
> 5 cps/kBq
Energieauflösung
Quotient aus Halbwertsbreite und Photopeaklage; muss Photopeak vom Compton-Kontinuum trennen
Ausreichend zur Peaktrennung
Räumliche Sensitivität (Messkegel)
Breite des Kegels, aus dem Aktivität registriert wird; je breiter, desto stärker die Untergrundüberlagerung
HWB des Messkegels < 40°
Räumliche (laterale) Auflösung
Mindestabstand zweier gerade noch trennbarer Punktquellen
< 25 mm
Abschirmung / Leckstellensensitivität
Schutz gegen Störstrahlung (z. B. Depot), um vorgetäuschte Anreicherungen zu vermeiden
< 0,1 % der max. Empfindlichkeit

Die Energieauflösung R ergibt sich aus R = FWHM / EPeak, wobei die Halbwertsbreite (FWHM) dem Kanalabstand der beiden Punkte mit halbem Maximalwert und die Peaklage dem Kanal des Photopeak-Mittelpunkts entspricht.

abb4 energieaufloesung
Energieauflösung: Die Halbwertsbreite (FWHM) des Photopeaks bezogen auf seine Lage EPeak bestimmt die Auflösung R. Eine kleinere FWHM bedeutet eine bessere Trennung von Photopeak und Compton-Kontinuum.
aufloesungsvermoegen fwhm
Auflösungsvermögen der SLN-Sonde.
messfeld diskriminierung
Räumliche Sensitivität der SLN-Sonde.
sln stoerstrahlung leckstelle
Abschirmung der SLN-Sonde gegen Störstrahlung.

Qualitätssicherung der Messsonde

Vor Inbetriebnahme ist gemäß § 115 StrlSchV eine Abnahmeprüfung durchzuführen, deren Umfang die QS-Richtlinie Nuklearmedizin (12/2024) regelt; die regelmäßige Konstanzprüfung folgt aus § 116 StrlSchV sowie DIN 6855-1. Als Prüfquelle dient ein Co-57-Strahler.

Abnahmeprüfung (Auswahl)

Parameter Durchführung Kriterium Zweck
Nulleffekt
Mittelwert aus ≥ 10 Messungen à 10 s
Bei < 1 s⁻¹ wird der Bezugswert auf 1 s⁻¹ festgesetzt
Bezugswert-Festlegung
Zählausbeute / Sensitivität
Bestimmung der Empfindlichkeit; Gesamtimpulszahl > 1000
Sensitivität > 5 cps/kBq
Bezugswert / Empfindlichkeit
Energiekalibrierung
Zuordnung der Photopeaklage zu einer Kanalnummer
Energiezuordnung
Energieauflösung
Quotient aus Halbwertsbreite und Photopeaklage
Peaktrennung gewährleistet
Auflösungsnachweis
Zählratencharakteristik
Zählrate bei variabler Aktivität (≥ 2 Punkte/Dekade), Regression
max. Abweichung eines Einzelwerts < 3 %
Linearitätsnachweis
Ortsauflösung
nach NEMA NU 3-2004 / QS-RL
HWB < 30 mm; ZWB/HWB < 2
Bestimmung der räumlichen Auflösung

Ausgewählte Parameter der Abnahmeprüfung (QS-RL Nuklearmedizin 12/2024)

Bestimmung der Ortsauflösung nach QS-RL

Methodik

Zur Bestimmung der lateralen Ortsauflösung wurde das Zählratenverhalten der Messsonde in einem Gesichtsfeld von ± 10 cm über einer Tc-99m-Punktquelle erfasst. Als Streumedium diente eine 3 cm dicke PMMA-Schicht, die zwischen Sonde und Quelle positioniert war. Der Versuchsaufbau ist in der nachfolgenden Abbildung dargestellt.

sln sonde ortsauflösung schematischer aufbau
Skizzierung des Messaufbaus nach QS-RL
ortsauflösung sln sonde prüfkörper
Praktische Umsetzung zur Bestimmung der Ortsauflösung

Die zur Bewertung der Ortsauflösung herangezogenen Kennmerkmale sind die Halbwertsbreite (FWHM), die Zehntelwertsbreite (FWTM) sowie das Verhältnis von Zehntelwerts- zu Halbwertsbreite.

Korrekturen

Die gemessenen Zählraten wurden entsprechend des Untergrundes und des radioaktiven Zerfalls korrigiert.
Die laterale Ausdehnung der Quelle betrug 0,46 cm. Um die Messwerte auf eine Punktquelle zu beziehen, wurden die Messpositionen entsprechend der halben Quellausdehnung korrigiert.

Messunsicherheit

Für die Betrachtung der Messunsicherheit der Zählraten wird eine Poisson-Verteilung angenommen. Die angegebenen Standardabweichungen σN zum Vertrauensniveau k = 1 ergibt sich aus der Wurzel der gemessenen Ereignisse N:


σ_N (k=1)=\sqrt{N}

Zur Verbesserung der Statistik erfolgte die Messung der Zählraten über jeweils 10 Sekunden.
Die Unsicherheit der Messpositionen wurde gemäß DIN 13005 durch die Definition eines Schrankenbereichs entsprechend der Skalabreite von 0.5 cm abgeschätzt. Unter Annahme einer Gleichverteilung für die Wahrscheinlichkeitsdichte innerhalb des Schrankenbereichs ergibt sich die angegebene Standardabweichung der Messposition σX zum Vertrauensniveau k = 1 zu:


σ_x (k=1)=\frac{0,5\,\text{cm}}{\sqrt{3}}=0.3\,\text{cm}

Ergebnisse

Parameter Wert
Messbereich:
± 10 cm
Streukörper:
3 cm PMMA
Radioaktive Quelle:
7.34 MBq Tc-99m (laterale Ausdehnung: 0.46 cm)
Full Width at Half Maximum (FWHM):
2.6 ± 0.4 cm
Full Width at Tenth Maximum (FWTM):
5.2 ± 0.4 cm
FWTM/FWHM:
2.0 ± 0.4

Zusammenfassung der Messparameter und -ergebnisse für die Untersuchung der Ortsauflösung

messung der ortsauflösung sln sonde
Gemessene Zählraten in Abhängigkeit von der Messposition. Streukörperdicke: 3 cm PMMA. Die Messpositionen wurden entsprechend der Quellenausdehnung lateralen von 2.3 mm korrigiert.

Konstanzprüfung (DIN 6855-1)

Prüfpunkt Häufigkeit Reaktionsschwelle Toleranzgrenze
Sichtprüfung
arbeitstäglich
Funktionstüchtigkeit, Nuklidauswahl, äußere Beschädigungen
Nulleffekt
arbeitstäglich
BW + 25 % (für BW > 1 s⁻¹)
BW + 50 % (für BW > 1 s⁻¹)
Zählausbeute
arbeitstäglich
BW ± 10 %
BW ± 15 %

Praktische Durchführung: Der Untergrund/Nulleffekt wird mit Kollimator ohne benachbarte Quelle gemessen (Sollwert < 10 cts/10 s). Das Ansprechvermögen wird über die zerfallskorrigierte Zählrate der Co-57-Prüfquelle bestimmt und mit dem Bezugswert verglichen. Bei Überschreitung der Reaktionsschwelle erfolgt eine Beobachtung über mehrere Tage; bei bestätigter Überschreitung der Toleranzgrenze ist die Nuklearmedizin zu kontaktieren.

Co-57 Prüfquelle

Strahlenschutz

Nuklideigenschaften

Eigenschaft Tc-99m (Diagnostik) Co-57 (Qualitätssicherung)
Zerfallsart
Isomerieübergang (γ)
Elektroneneinfang + innere Konversion (γ)
6 Stunden
271,7 Tage
Primäre Gammaenergie
140 keV (89,6 %)
122 keV (85,6 %)
HWSD (Blei / Gewebe)
≈ 0,3 mm / 44 mm
≈ 0,3 mm / 44 mm
Dosisleistungskoeff. Punktquelle
2,35·10⁻⁵ mSv·m²/(h·MBq)
2,23·10⁻⁵ mSv·m²/(h·MBq)
Freigrenze
10 MBq
1 MBq
Uneingeschr. Freigabe
100 Bq/g
1 Bq/g

Begrenzung der Handhabungsaktivität (Freigrenze)

Die Handhabungsaktivität im OP wird auf die Freigrenze von Tc-99m (10 MBq) beschränkt; oberhalb wäre die Histologie als Umgang mit radioaktiven Stoffen einzustufen. Die im OP vorliegende Aktivität ergibt sich aus der Applikationsaktivität multipliziert mit dem Zerfallsfaktor f(t) (obenstehende Tabelle). Der benötigte Zerfallsfaktor folgt aus der Division der Freigrenze durch die Applikationsaktivität.

abb7 zerfallskurve freigrenze
Aktivität im zeitlichen Verlauf (Beispiel A₀ = 120 MBq, Tc-99m): Die Aktivität unterschreitet die Freigrenze von 10 MBq nach ca. 22 h (→ 9,6 MBq). Erst danach ist die Handhabung im OP ohne weitere Genehmigung zulässig.

Patientenexposition

Die effektive Dosis des Patienten liegt im Bereich weniger mSv – z. B. < 0,5 mSv beim Melanom (80 MBq) und < 1,0 mSv beim Mammakarzinom (100 MBq); zur Einordnung entspricht dies etwa der Größenordnung einer Schädel-CT. Da nach Injektion ca. 95 % der Aktivität am Injektionsort verbleiben, ist auch die Uterusdosis in der Schwangerschaft gering (< 1 mSv); bei tracernaher Injektion (z. B. Vulvakarzinom) liegt sie bei ~50 MBq lediglich im Bereich von 1 mSv. Bei Schwangeren und jungen Patienten kann ein Ein-Tages-Protokoll (Applikation und OP am selben Tag, geringere Aktivität) die Exposition reduzieren.

Exposition des Personals

Trotz Aktivitätsbegrenzung verbleibt eine geringe Exposition des OP-Personals. Richtwerte gemäß DGN-Handlungsempfehlung (Annahmen: Abstand Operateur 0,5 m, OP-Personal 1 m, Pathologe 0,1 m):

Personengruppe Melanom (80 MBq) MAmma-Ca (160 MBq) Prostata-Ca, PSMA (650 MBq)
OP-Personal
0,1 µSv/h
0,2 µSv/h
0,9 µSv/h
Pathologe
0,1 µSv/h
0,2 µSv/h
0,9 µSv/h
Operateur
0,4 µSv/h
0,9 µSv/h
3,5 µSv/h

Kernaussage Personalstrahlenschutz
Operateur, OP-Personal und Pathologe müssen auch bei häufiger Durchführung nicht als beruflich strahlenexponierte Personen geführt werden – die effektive Dosis bleibt < 1 mSv/a (Schwelle: 1000 µSv/a). Zur Veranschaulichung: Bei ~4 µSv pro Mammakarzinom-Eingriff ergäbe sich rechnerisch eine Obergrenze von ca. 250 Eingriffen pro Jahr und Person, um 1 mSv nicht zu überschreiten.

Strahlenschutzmaßnahmen

Die klassischen Schutzgrundsätze – Abstand, Aufenthaltszeit, Abschirmung – sowie die Vermeidung von Kontamination/Inkorporation gelten unverändert:

Abfallbeseitigung und Freigabe

Mit Blut kontaminierte Abfälle und reseziertes Gewebe sind potenziell schwach radioaktiv. Eine Herausgabe ist erst nach Unterschreitung der uneingeschränkten Freigabe (Tc-99m: 100 Bq/g, Anlage 4 Tab. 1 StrlSchV) zulässig.

Rechenbeispiel – Freigabe von OP-Abfall
Gegeben: 500 g Abfall mit insgesamt 500 kBq (1/20 der Handhabungsaktivität) → 1000 Bq/g.
Lösung: benötigter Faktor = 100 / 1000 = 0,1 → t ≈ 20 h. Der Abfall darf erst nach ca. 20 h herausgegeben werden. Praktikabel sind die Freimessung mit einem Kontaminationsmonitor oder die Abklinglagerung (z. B. drei Tage).

Rechtliche Aspekte

Verantwortung des fachkundigen Arztes

Der fachkundige Arzt (i. d. R. Nuklearmediziner) trägt die Gesamtverantwortung für den Strahlenschutz, stellt die rechtfertigende Indikation, verantwortet die eingesetzte Aktivität und die technische Durchführung und stellt sicher, dass die Sonden dem Stand der Technik entsprechen.

Vereinbarung und Arbeitsanweisung

Werden die intraoperativen Messungen nicht im Rahmen einer eigenen Genehmigung durch entsprechend ausgebildetes Personal (Fachkunde/Kenntnisse) durchgeführt, fordert die Behörde eine Vereinbarung und eine Arbeitsanweisung. Die Richtlinie „Strahlenschutz in der Medizin“ (Kap. 6.9) regelt die Zusammenarbeit der Fachdisziplinen und nennt insbesondere: schriftliche Arbeitsanweisung, Nutzung qualitätsgesicherter Sonden sowie eine vertragliche Beziehung zwischen Operateur und Nuklearmediziner. Inhaltlich abzudecken sind die Abgrenzung der Verantwortlichkeiten, die Festlegung der Zusammenarbeit mit Operateur und Pathologen, der sichere Umgang mit der Sonde und die Qualitätssicherungsmaßnahmen.

Qualifikation des operativen Personals

Für operativ tätige Ärzte ist für die intraoperative Handhabung der Messsonde der Nachweis der notwendigen Kenntnisse im Strahlenschutz erforderlich. Hierfür ist einmalig ein 6-stündiger SLN-Kurs nach der Richtlinie „Strahlenschutz in der Medizin“ vorgeschrieben (Inhalte u. a.: rechtliche Grundlagen, Grundlagen der Nuklearmedizin, Methodik, Physik und Strahlenschutz, Anforderungen an Gammasonden). Über die Teilnahme ist eine Bescheinigung auszustellen, das die Aufsichtsbehörde anfordern kann.

Überprüfung durch die Ärztlichen Stellen

Die Qualitätssicherung erfolgt durch die Ärztlichen Stellen nach § 128 StrlSchV; auch die SLN-Diagnostik wird geprüft. Der erfolgreiche Nachweis erfolgt über ein Szintigramm – die alleinige Angabe intraoperativer Countraten ist wegen der fehlenden Standardisierung der Messgeometrie hierfür nicht ausreichend. Die Detektionsrate ist zudem ein bei der Zertifizierung von Brustzentren nachzuweisender Qualitätsindikator.

Fehlerquellen

Präoperative Diagnostik

Intraoperative Lokalisierung

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