Arbeitsmarktsituation für Berufseinsteigende in der Medizinphysik

Einleitung & Motivation

Im Dezember 2025 haben wir eine Umfrage zur aktuellen Arbeitsmarktsituation für Berufseinsteigene in der Medizinphysik gestartet.
Basierend auf den immer wiederkehrenden Warnungen bezüglich eines drohenden Fachkräftemangels wurde das Studienangebot vor nunmehr etwa 15 Jahren stark erweitert. Dennoch erleben viele Studierende nach ihrem erfolgreich abgeschlossenen Studium eine Diskrepanz zwischen den im Studium vermittelten Berufsperspektiven und der gegebenen Arbeitsmarktsituation.
Ziel dieser Umfrage war es, die tatsächliche Situation auf dem Arbeitsmarkt, insbesondere die Verfügbarkeit von Ausbildungsstellen zur Erlangung der Fachkunde im Strahlenschutz, aus der Perspektive bereits tätiger MPE realistisch zu bewerten. Dadurch sollen mögliche Ursachen identifiziert und ggf. Handlungsbedarfe abgeleitet werden.

Inhaltsverzeichnis

Ergebnisse

Die Umfrage war in vier Teile gegliedert. Zunächst wurden einige einrichtungsbezogenen Angaben erfragt, woraufhin die Situation für Berufseinsteigende näher eruiert wurde. Des Weiteren ging es konkret um die subjektive Einschätzung der Arbeitsmarktsituation in Deutschland. Abschließend wurden drei offene Fragen erhoben, um qualitative Ergänzungen zu den zuvor erfassten Antworten zu ermöglichen.

Teil 1 - Angaben zur Einrichtung

Bundesland

Die anteilige Teilnahme der einzelnen Bundesländer spiegelt die klassische Verteilung wider, die mit der tatsächlichen Einwohnerzahl korreliert. Die drei bevölkerungsstärksten Bundesländer (NRW, Bayern und Baden-Württemberg) stellen zusammen mit 53 % mehr als die Hälfte der Teilnehmenden. Der Osten und Norden sind eher gering vertreten.

Einrichtung

Die meisten Teilnehmenden kommen aus dem Bereich der medizinischen Versorgung (93 %). Die Anteile spalten sich in einen ambulanten Sektor (37 %) und die Akutmedizin (Krankenhäuser und Universitätskliniken, 56 %) auf. Nur ein geringer Anteil kommt aus der Selbstständigkeit und der Industrie. Unter „Sonstiges“ wurden Krankenhausunternehmen, Forschungseinrichtungen, Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und die Protonentherapie genannt.

Haupttätigkeitsbereich

Ungefähr die Hälfte der Teilnehmenden gaben an, dass mindestens einer ihrer Tätigkeitsbereiche der Strahlentherapie zuzuordnen ist. Die Industrie ist mit einem Prozent nur gering vertreten. Unter „Sonstiges“ wurden Arbeiten im Bereich des Strahlenschutzes, der IT, der Forschung, der Medizintechnik und der Lasertherapie genannt.

Position

Nicht überraschend sind 88 % der Teilnehmenden angestellt bzw. leitend angestellt. Weniger als ein Zehntel der Befragten befinden sich in Ausbildung zum MPE. Unter „Sonstiges“ wurden die Positionen Universitätsprofessor, Promovierende, Inhaber und wissenschaftliche Hilfskraft/Mitarbeiter genannt.

Anzahl eingestellter MPE

Das Ergebnis der Frage bezüglich der Anzahl der eingestellten MPE in dem Unternehmen der Befragten zeigt, dass mittlere Teamgrößen ( 3 – 5 und 6 – 10 eingestellte MPE) mit einem knappen zwei Drittelanteil dominieren. Fast jedes fünfte Unternehmen beschäftigt mehr als zehn MPE. Unternehmen, die weniger als drei MPE eingestellt haben, machen einen eher geringen Anteil aus.
Dies korreliert gut mit dem Ergebnis der vorherigen Frage zur Einrichtungsart: Da 56 % aus dem stationären Sektor kommen (Krankenhaus/Universitätsklinikum), ist es plausibel, dass hier mittlere bis große Teamgrößen eher vertreten sind.

Teil 2 - Situation für Berufseinsteigende

Ausbildungsstelle zum MPE / Angebot zum Fachkundeerwerb

Aktuell bieten rund 20 % der Einrichtungen keine Ausbildungsstelle zum MPE für den Erwerb einer Fachkunde an. Nur knapp mehr als ein Drittel der Befragten, also fast 100 Teilnehmende, gaben an, regelmäßig Ausbildungsstellen auszuschreiben. Das scheint die schwierige Stellensituation, von denen viele Studierende berichten, widerzuspiegeln. Auch hinsichtlich einer Erweiterung des Stellenangebots zeichnet sich nur ein geringes Wachstumspotenzial ab, da lediglich 4 % der Befragten entsprechende Planungen angaben. Daraus geht natürlich noch nicht hervor, wie viele besetzte Stellen bzw. Bewerbungen es pro ausgeschriebener Ausbildungsstelle gibt. Dieses wird in den folgenden Abschnitten behandelt.

Anzahl besetzter Ausbildungsstellen in den letzten 24 Monaten

73 von 277 Teilnehmenden gaben an, keine Ausbildungsstelle innerhalb der letzten 24 Monate besetzt zu haben. Diese 26 % liegen knapp über den 20 %, die zuvor angaben, aktuell keine Ausbildungsstelle auszuschreiben. Von der anderen Seite betrachtet gaben 74 % an, mindestens eine Ausbildungsstelle besetzt zu haben. Zuvor gaben 80 % an, Ausbildungsstellen, wenn auch selten, auszuschreiben. Es wirkt somit so, als gäbe es ein, wenn auch geringes, Überangebot an freien Ausbildungsplätzen, da anscheinend 6 % der ausgeschriebenen Stellen nicht besetzt wurden. Dies würde im Gegensatz der These, dass der Arbeitsmarkt für Berufseinsteigende mehr als gesättigt ist, stehen. Dennoch können natürlich aktuell Ausbildungsstellen besetzt sein, die dazu führen, dass aktuell keine weiteren ausgeschrieben werden.
Zudem geht hervor, dass die meisten Unternehmen, sofern eine Ausbildungsstelle besetzt ist, in den meisten Fällen nicht mehr als eine Person zur Ausbildung einstellten. Dennoch gaben 25 von 277 Teilnehmenden an, sogar mehr als 3 Auszubildende beschäftigt zu haben.

Anzahl Bewerbungen pro Ausbildungsstelle

Um der These des umkämpften Arbeitsmarktes für Berufseinsteigende weiter auf den Grund zu gehen, wurden die Teilnehmenden gebeten, die durchschnittliche Anzahl der Bewerbungen pro ausgeschriebener Ausbildungsstelle anzugeben.
Es scheint, dass die 29 %, die angaben, dass in ihrem Unternehmen keine Ausbildungsstellen ausgeschrieben werden, nicht ganz zu den vorherigen 20 % (aktuell kein Angebot an Ausbildungsstellen) und 26 % (keine neu besetzte Ausbildungsstelle innerhalb der letzten 24 Monate) passt. Jedoch bezogen sich die vorherigen Fragen auf den aktuellen Zustand bzw. einen begrenzten Zeitraum von 24 Monaten. Möglichweise wurden innerhalb der letzten zwei Jahre mehr Ausbildungsstellen ausgeschrieben, als zuvor. Dennoch geben somit fast ein Drittel der Teilnehmenden an, dass in ihrem Unternehmen keine Ausbildungsstelle ausgeschrieben ist.
Werden nur die Einrichtungen betrachtet, die tatsächlich Stellen zur Ausbildung ausgeschrieben haben (71 %), dann ergibt sich, dass die Mehrheit höchstens 20 Bewerbungen erhält. Nur 7 % erhalten mehr als 20 Bewerbungen. Extrem viele Bewerbungen pro Ausbildungsstelle (> 50) sind eher selten. Dies spricht wieder für einen nicht vollkommen überlasteten Arbeitsmarkt, sondern einen moderaten Konkurrenzkampf.
21 % gaben an, dass sie im Schnitt mehr als zehn Bewerbungen pro Ausschreibung erhalten. Dies spricht nun eher für ein starkes Unterangebot an Stellen für Ausbildungssuchende.

Qualifikation der Bewerbenden

Die Beurteilung der Qualifikation der Bewerbenden ist erschreckend. Weniger als ein Drittel der Befragten bewertet die potentiellen Kandidaten für eine Ausbildung als „gut“ bis „sehr gut“. Ein ebenso großer Anteil beurteilt das Feld der Bewerbenden als schwankend bzw. heterogen.
Dies deckt sich mit der vorherigen Evaluation, denn: Es ergab sich, dass es weniger besetzte Ausbildungsplätze als ausgeschriebene Stellen gibt. Dies könnte darauf hindeuten, dass Unternehmen ihre Plätze lieber unbesetzt lassen, als Bewerbende einzustellen, die keinen ausschließlich positiven Eindruck hinterlassen haben.

Gründe für das Ausbleiben von Angeboten einer Ausbildungsstelle

Darauf aufbauend wurde im Folgenden erfragt, was die Gründe für das vergangene, aktuelle und zukünftige Nichtausschreiben von Ausbildungsstellen sind. Sofern Ausbildungsstellen ausgeschrieben worden sind (75 %), gaben 18 % an, keinen Stellenbedarf zu haben. Das deckt sich mit der den 20 %, die keine Ausbildungsstelle zum Fachkundeerwerb ausschreiben. Ähnlich viele Unternehmen geben fehlende Personalkapazitäten oder zeitlichen Ressourcen für die Ausbildung an. 12 % werden durch das Personalmanagement daran gehindert, weitere Stellen zu akquirieren.
5 % gaben Gründe an, die nicht aufgeführt waren („Sonstiges“). Diese waren vielseitig, lassen sich aber grob in vier Kategorien einteilen. In einigen Unternehmen scheint die Rekrutierung über ausreichend Initiativbewerbungen bereits erfolgreich zu sein. Dies könnte auch die Diskrepanz zwischen der Anzahl der regelmäßig bzw. gelegentlich ausgeschriebenen (66 %) und der besetzten Ausbildungsstellen (74 %) erklären. Außerdem werden oft Studierende aus dem eigenen Studiengang übernommen, sodass eine Ausschreibung ebenfalls nicht nötig ist.
„Fehlender Bedarf“ ist eine interessante Nennung. Zum einen könnte dies auf eine Auslastung der Kapazitäten hinweisen. „Geld- und Platzmangel“ (i. A. Ressourcenmangel) sind ebenfalls Nennungen. Zum anderen widersprechen spätere Ergebnisse (siehe Abschnitt zum Nachwuchsbedarf) dieser Begründung des fehlenden Bedarfs.
Ein weiteres Problem scheinen bürokratische und regulatorische Hürden zum Erwerb der Fachkunde zu sein. MPE in Weiterbildung werden teilweise (insbesondere im Bereich der Diagnostik) nicht offiziell bei den Behörden angerechnet. Außerdem werden die strengen und zeitintensiven Vorgaben zum Erwerb der Fachkunde kritisiert. Hinzu kommen, aus der Sicht der Unternehmen, hohe Gehaltsanforderungen der Studierenden auf Ausbildungsstellensuche.
In manchen Fällen scheinen genug MPE eingestellt zu sein, sodass keine Ausbildungsstelle ausgeschrieben wird. Zudem ist das Erlangen der Fachkunde in einigen Einrichtungen schlichtweg nicht möglich.
Abschließend sind die Ausbildungsstellen an vielen universitären Einrichtungen an eine akademische Weiterqualifikationspflicht gekoppelt. Teilweise werden so Studierende mit einer abgeschlossenen Fachkunde in die Arbeitswelt entlassen.

Teil 3 - Einschätzung der Arbeitsmarktsituation

Einschätzung der Arbeitsmarktsituation für Berufseinsteigende

Nur ca. ein Drittel der Befragten schätzt die aktuelle Arbeitsmarktsituation als „gut“ ein. Der größte Anteil der Teilnehmenden (39 %) findet die gegenwärtige Situation für Berufseinsteiger „herausfordernd“. 16 % empfinden den aktuellen Arbeitsmarkt als „kritisch“ bzw. „sehr kritisch“. 8 % sind der Meinung, dass es kein Stellenmangel in der Medizinphysik gibt.

Einschätzung Arbeitsmarktsituation für Berufseinsteigende
Einschätzung Arbeitsmarktsituation für Berufseinsteigende

Nachwuchs

Die meisten Befragten sind der Meinung, dass mehr Nachwuchs in der Medizinphysik benötigt wird. Das ist insofern ein erstaunliches Ergebnis, da aus vorherigen Fragen entnommen werden könnte, dass 20 % der Teilnehmenden keine Ausbildungsstelle anbieten. Es hat sich zwar gezeigt, was die Gründe für das Nichtausschreiben von Ausbildungsstellen sind (z. B. Mangel an Kapazität und Ressourcen, Bürokratie usw.), jedoch scheint es dennoch erhöhten Nachwuchsbedarf/-wunsch zu geben.

Fachkräftemangel (Berufseinsteigende)

Die Verteilung zeigt, dass die meisten Befragten der Meinung sind, dass es einen Fachkräftemangel gibt, insbesondere bei erfahrenen Medizinphysikern und Medizinphysikerinnen.

Mangel an Ausbildungsstellen für Berufseinsteigende

Gibt es nun tatsächlich zu wenig Ausbildungsstellen für Berufseinsteigende in der Medizinphysik? Die Mehrheit sagt eindeutig: Ja! Nur 12 % sind (eher) nicht dieser Ansicht. Und dennoch schreiben, wie bereits zuvor erwähnt, rund ein Fünftel der Unternehmen keine Ausbildungsstellen aus. Dies überrascht umso mehr, da die Umfrageergebnisse einen gewissen Bedarf belegen – und zwar sowohl im Bereich der erfahrenen MPE als auch auf der Ebene des Berufseinstiegs.

5-Jahres-Prognose: Verschlechterung der Lage für Berufseinsteigende

26 % der Befragten blicken optimistisch in die Zukunft der Arbeitsmarktsituation für Ausbildungssuchende in der Medizinphysik. Das liegt vermutlich an dem sich stetig erweiternden Aufgabenfeldes für MPE und dem damit verbundenen wachsendem Bedarf. Doch genauso viele Teilnehmenden sind der Ansicht, dass sich die Lage für Berufseinsteigende in den nächsten fünf Jahren (deutlich) verschlechtern wird. Die meisten vertreten die Meinung, dass die Lage für Berufseinsteigende in den nächsten fünf Jahren stabil bleibt.

Reduzierung der Studienplätze

Aus der Umfrage geht hervor, dass es ein Überangebot von Ausbildungsplatz-Suchenden zu geben scheint. Daher wurde erfragt, ob die Anzahl der Studienplätze reduziert werden sollte, damit sich die Anzahl der Bewerbungen verringert. Die Ansicht ist sehr gespalten, doch fast die Hälfte der Befragten sind der Meinung, dass die Anzahl der Studienplätze nicht (bzw. nahezu nicht) reduziert werden sollte. Dies passt zu dem Meinungsbild über den Fachkräftemangel: Die meisten sind der Ansicht, dass mehr MPE benötigt werden. 30 % sind der Aussage gegenüber neutral. Mehr als ein Fünftel (22 %) stimmen der Aussage (bedingt) zu.

Teil 4 - Offene Fragen

Hürden für Berufseinsteigende

Insgesamt haben 131 Teilnehmende auf die Frage nach der größten Hürde für Berufseinstiegende geantwortet. Die Ergebnisse lassen sich in sechs Kernaussagen zusammenfassen:

  1. Zu wenig Ausbildungsplätze: Die größte Hürde scheint das Finden einer Ausbildungsstelle zum Erwerb der Fachkunde bzw. das Fehlen der Fachkunde selbst zu sein. Auch die vorherigen Fragen haben gezeigt: Es gibt zu wenig Ausbildungsplätze. So stellen einige Unternehmen keine Personen zum Fachkundeerwerb ein, sondern suchen gezielt „fertige“ MPE.
  2. Ausbildungsaufwand: Vielen Unternehmen ist der Aufwand auszubilden zu groß, die Dauer zu lang und sie klagen von Ressourcen- und Kapazitätsmängeln. Außerdem wurden die unterschiedlichen Anforderungen zwischen den Bundesländern erwähnt, wobei teilweise die Anerkennung bestimmter Ausbildungswege fehlte. Die Anzahl an angebotenen Stellen unterscheidet sich zudem regional stark.
  3. Fehlende Berufserfahrung: Passend dazu scheint die fehlende Berufserfahrung eine Hürde darzustellen, die oft von den Unternehmen gefordert wird. Arbeitgeber präferieren aus den genannten Gründen häufig erfahrene MPE. Der Übergang vom Studium zum Beruf wird als schwierig wahrgenommen, da für die meisten Stellen Erfahrung gefordert wird, doch ohne eine Stelle kann keine Erfahrung gesammelt werden. Ähnliches geht aus den Umfrageergebnissen hervor. Die Unternehmen klagen über Fachkräftemangel, doch Stellen zur Ausbildung sind rar.
  4. Finanzierung: Eine häufige Problematik ist die Finanzierung der Ausbildungsstelle und das teilweise als zu hoch bewertete Gehalt der sich Bewerbenden. Die Arbeitssuchenden klagen über eine relativ geringe Vergütung während der Ausbildungszeit. Gleichzeitig empfinden die Unternehmen die Sachkundezeit als finanzielle Belastung – vor allem durch die lange Ausbildungsdauer.
  5. Strukturierung: Mehrfach erwähnt wurden unklare oder unzureichende Ausbildungsstrukturen. Beklagt wurden fehlende Standardisierung, variierende Ausbildungsqualität, unklare Zuständigkeiten, fehlendes Mentoring und fehlende Betreuung sowie unterschiedliche Anforderungen je nach Klinik. Viele Berufseinsteigende wünschen sich transparentere und stärker vereinheitlichte Ausbildungswege.
  6. Praxisbezug im Studium: Des Weiteren wurde die fehlende Praxisnähe im Studium genannt. Der Anteil des berufsnahen Arbeitens ist den Teilnehmenden zu gering, sodass das Sammeln von Praxiserfahrung während des Studiums ausbleibt.

Weniger häufig wurden Hürden wie Sprachbarrieren, Bürokratie, fehlende Bekanntheit des Berufsbildes MPE, hohe Verantwortung, mangelnde Mobilität bzw. notwendige Umzüge, Unsicherheit über Karrierewege sowie zu hohe Anforderungen in Stellenausschreibungen genannt.

Maßnahmen zur Verbesserung

Auf die offene Frage nach möglichen Verbesserungsmaßnahmen gingen sehr viele, teils ausführliche Antworten ein. Die Vorschläge lassen sich in mehrere thematische Schwerpunkte gruppieren, die im Folgenden zusammengefasst dargestellt werden.

  1. Mehr und verpflichtende Ausbildungsstellen schaffen: Der mit Abstand häufigste Vorschlag betrifft die schlichte Erhöhung der Anzahl von Ausbildungsstellen zum Fachkundeerwerb. Viele Befragte fordern dabei eine Verpflichtung für größere Einrichtungen (insbesondere Universitätskliniken), eine bestimmte Mindestzahl an Ausbildungsplätzen pro Jahr anzubieten – etwa gekoppelt an Patientenzahlen, Gerätezahl (z. B. Beschleuniger) oder die Anzahl bereits beschäftigter MPE. Kleinere Praxen und Kliniken könnten sich laut mehreren Stimmen zusammenschließen oder kooperieren, um gemeinsam ein vollständiges Untersuchungs- und Behandlungsspektrum für die Ausbildung abzudecken.
  1. Finanzielle Anreize und Vergütung: Ein zweiter zentraler Themenblock betrifft die Finanzierung der Ausbildung:
    • Allgemeine Lohntransparenz und eine faire Vergütung von MPE angesichts ihrer hohen Eigenverantwortung
    • Staatliche bzw. Landes-Förderprogramme für ausbildende Einrichtungen, um die hohen organisatorischen und finanziellen Aufwände (Grund- und Spezialkurse, Freistellungen, Betreuungskapazitäten) abzufedern
    • Anrechnung von MPE in Ausbildung auf den Stellenschlüssel, damit Ausbildung für Kliniken wirtschaftlich attraktiver wird
    • Vorschlag, die Ausbildungskosten teilweise zurückzufordern, falls Auszubildende die Einrichtung kurz nach Fachkundeerwerb verlassen (verbunden mit einer Verpflichtung, einige Monate am Ausbildungsort zu verbleiben)
  1. Vereinheitlichung und Entbürokratisierung: Sehr häufig wird die föderale Zersplitterung des Fachkundeerwerbs kritisiert. Gefordert werden:
    • Bundeseinheitliche (teils auch international harmonisierte) Regelungen statt 16 unterschiedlicher Länderverfahren
    • Einheitliche Anforderungen und Verfahren bei Fachgesprächen und Fachkundeprüfungen durch die Behörden
    • Mehr Flexibilität bei den geforderten Fallzahlen – stattdessen mehr Vertrauen in die fachliche Einschätzung der Ausbilder
    • Abbau von als wenig sinnvoll empfundener Bürokratie (z. B. Online-Kurse mit geringem Lerneffekt)
  1. Studium praxisnäher gestalten: Ein weiterer großer Themenkomplex betrifft die Verzahnung von Studium und Praxis:
    • Mehr Praxisanteile und Pflichtpraktika bereits während des Studiums (vergleichbar der ärztlichen Famulatur)
    • Teilweise Integration von Sachkundeerwerb oder Strahlenschutzkursen in die Studienzeit
    • Stärkere Verzahnung von Bachelor- und Masterinhalten mit der klinischen Praxis
    • Kritisch angemerkt wird gleichzeitig, dass eine zu starke Verkürzung oder Verschulung der praktischen Ausbildungszeit die Qualität gefährden könnte – ein fundiertes Physikstudium mit anschließender mehrjähriger klinischer Ausbildung wird von einigen als nicht ersetzbar angesehen.
  1. Strukturierte Ausbildungskonzepte und Mobilität: Mehrfach genannt wurden:
    • Ausbildung an mehreren Einrichtungen (2–3 Standorte) statt nur an einem Ort, um ein breiteres Erfahrungsspektrum zu ermöglichen
    • Kooperationsmodelle und Austauschplattformen zwischen Kliniken, insbesondere für Nischenfächer (z. B. Nuklearmedizin, Brachytherapie, Protonentherapie)
    • Mentoring-Programme und „Train-the-Trainer“-Konzepte für (unerfahrene) Ausbilder
    • Anpassung der Personalbedarfsplanung
  1. Personalbedarfsregelungen:
    • Differenzierung zwischen externen MPE und klinisch tätigen Medizinphysikern bei der Bedarfsermittlung
    • Anhebung der Personalanhaltszahlen des Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) 
    • Berufsanerkennung der klinischen Medizinphysik als eigenständiger Gesundheitsberuf
    • Verstärkte Kontrollen durch die Aufsichtsbehörden, um bestehende Vorgaben auch durchzusetzen
  1. Steuerung des Studienangebots: Ein kleinerer, aber wiederkehrender Punkt betrifft das Verhältnis von Studienplätzen zu Ausbildungsstellen: Mehrere Befragte plädieren dafür, die Zahl der Studienplätze nicht weiter zu erhöhen, sondern stärker an der tatsächlichen Anzahl verfügbarer Ausbildungs- bzw. Arbeitsstellen zu orientieren, um eine Überproduktion von Absolventen ohne Perspektive zu vermeiden. Vereinzelt wird zudem eine Reduktion von Quereinsteigern bzw. eine stärkere Bindung an ein fachspezifisches Studium gefordert.
  1. Sonstige / vereinzelte Stimmen: Vereinzelt finden sich auch kritischere oder konträre Positionen, etwa:
    • Skepsis gegenüber jeglichen Maßnahmen, verbunden mit der Erwartung, dass der Personalbedarf an MPE durch den Einsatz von KI mittelfristig eher sinken als steigen wird
    • Hinweise auf die wirtschaftliche Tragfähigkeit kleiner Einrichtungen (z. B. Standorte mit nur einem Beschleuniger) als strukturelles Problem
    • Vereinzelte Aussagen zu persönlichen Anforderungen an Bewerbende, die jedoch nicht repräsentativ für die Mehrheit der Antworten sind

Kommentare & Beobachtungen

Im freien Anmerkungsfeld der Umfrage gingen zahlreiche ergänzende Beobachtungen, Einschätzungen und Erfahrungsberichte ein. Diese lassen sich – ähnlich wie die Antworten zur vorherigen Frage – in mehrere wiederkehrende Themenfelder bündeln.

  1. Qualität und Aussagekraft von Bewerbungen: Mehrere Befragte berichten von einer Zunahme unspezifischer „Streubewerbungen“ ausländischer Berufseinsteiger (u. a. aus Spanien, Frankreich, Nordafrika, arabischer Raum), häufig mit mangelhaften Deutschkenntnissen und ohne erkennbares spezifisches Interesse an der jeweiligen Einrichtung. Gleichzeitig wird beobachtet, dass viele Bewerbungen von Berufseinsteigern aus verwandten Fachrichtungen (Medizintechnik, Naturwissenschaften) mit unsicherem Beschäftigungshintergrund (Praktika, befristete Hilfskraftstellen) kommen.

  2. Zweifel an Qualität und Tempo des Fachkundeerwerbs: Ein wiederkehrendes Thema ist die Sorge um die fachliche Qualität verkürzter oder neuartiger Ausbildungswege:
    • Skepsis, ob ein Fachkundeerwerb nach nur 1,5 Jahren tatsächlich zur eigenständigen Tätigkeit als Strahlenschutzbeauftragter befähigt
    • Kritik an zu niedrigen Anforderungen zertifizierter Lehrgänge (z. B. einfache Multiple-Choice-Tests statt vertiefter Prüfung)
    • Häufig fehlendes physikalisches Grundlagenwissen (Spektren, Wechselwirkungsprozesse, Messtechnik, baulicher Strahlenschutz) bei Berufseinsteigern – besonders ausgeprägt in der Röntgendiagnostik, aber auch in Strahlentherapie und Nuklearmedizin
    • Skepsis gegenüber Studiengängen mit integriertem Fachkundeerwerb, da hierzu noch keine Erfahrungswerte vorliegen; ein Vergleich mit klassisch ausgebildeten MPE wäre wünschenswert
    • Sorge, dass paralleler Erwerb von Fachkunde und Studium die Qualifikation beider Bereiche schwächt
  1. Erfahrungswissen, Generationswechsel und Personalplanung: Mehrfach wird auf den anstehenden Ruhestand zahlreicher erfahrener MPE verwiesen. Die Einschätzungen dazu sind uneinheitlich: Einige erwarten dadurch eine Entspannung des Arbeitsmarkts für Berufseinsteiger, andere betonen den dringenden Bedarf an erfahrenen Mitarbeitenden, die nicht kurzfristig ersetzt werden können. Mehrfach wird eine systematische, bundesweite Erhebung von Stellenbedarf und Nachwuchszahlen gefordert, idealerweise mit Blick auf die tatsächlich zu erwartende Fluktuation der nächsten 3–5 Jahre statt einer allgemeinen Einschätzung der Arbeitsmarktlage.

  2. Arbeitsbedingungen und Führungskultur: Ein deutlicher Kritikpunkt betrifft die Arbeitsstrukturen, insbesondere in privaten Praxisverbünden: Profitorientiertes Führungsverhalten ärztlicher Geschäftsführungen, Unterbezahlung und ein Mangel an Beschwerdemöglichkeiten.

  3. Regulatorische und tarifliche Unschärfen: Ein ausführlicher Beitrag verweist auf Inkonsistenzen in der Bedarfsbemessung: Die im BMUKN-Rundschreiben genannten Anhaltszahlen stünden im Widerspruch zur fallzahl- und risikobasierten Logik des § 131 StrlSchV: Begriffe wie „gleichartiges Gerät“ oder „vergleichbares Untersuchungsspektrum“ seien unklar definiert. In der Praxis führe dies zu einer Unterbemessung des tatsächlichen Bedarfs, insbesondere da zusätzliche Aufgaben (z.B. Dosismanagement-Systeme, Augenlinsendosis- und pränatale Expositionsbewertungen, KI-Einführung) nicht abgebildet würden.
    Auch die tarifliche Eingruppierung wird als problematisch beschrieben: Direkt eingestellte Absolventen würden niedriger eingruppiert (z.T. unter Tarif, z. B. E12) als Personen mit separat erworbener Fachkunde (E14) – ein Nachteil, der sich langfristig kaum aufholen lasse.

  4. Regionale Unterschiede und Standortfaktoren: Mehrere Beiträge schildern deutliche regionale Disparitäten. Schwierigkeiten, fachkundige MPE zu finden und langfristig zu binden, Pendelaufwand, mangelnde Attraktivität des Wohnorts (auch für Partner/Ehepartner) sowie kaum Bewerbungen. Demgegenüber finden Studierende aus Ballungsräumen häufig vergleichsweise leicht eine erste Ausbildungsstelle. Generell wird beobachtet, dass junge Berufseinsteiger eine Tätigkeit in kleinen Städten oder ländlichen Gebieten oft meiden.

  5. Kooperationsmodelle zwischen Einrichtungen: Mehrere Teilnehmende berichten von positiven Erfahrungen mit Kooperationen zwischen Kliniken bzw. Praxen – etwa Hospitationen von einigen Wochen, vergütete Weiterbildungskooperationen oder gegenseitige fachliche Unterstützung beim Einführen neuer Methoden. Solche Modelle würden jedoch nach übereinstimmender Einschätzung bislang eher die Ausnahme als die Regel darstellen.
  1. Einfluss von KI auf das Berufsbild und Marktdynamik: Der erwartete Einfluss künstlicher Intelligenz auf die Medizinphysik wird wiederholt angesprochen, jedoch uneinheitlich bewertet: Während einige Teilnehmende eine mittelfristige Reduktion des MPE-Bedarfs durch Automatisierung von Routineaufgaben erwarten, verweisen andere eher auf den parallel bestehenden Bedarf an Erfahrung und fachlicher Tiefe, die durch KI nicht ersetzt werden könne. Vereinzelt wird erwartet, dass sich der Markt durch Klinikschließungen und eine Bündelung der Patientenversorgung auf weniger, dafür finanziell besser ausgestattete Standorte künftig selbst regulieren werde – wenn auch mit verhaltener Zuversicht.
  1. Dank an die Organisatoren: Mehrere Teilnehmende haben sich ausdrücklich für die Initiative, das Thema Nachwuchs- und Arbeitsmarktsituation systematisch zu erfassen und sichtbar zu machen, bedankt. Wir freuen uns über dieses Feedback!

Fazit

Die Umfrage zeichnet ein auf den ersten Blick paradoxes Bild: Quantitativ wirkt der Ausbildungsstellenmarkt nicht gesättigt – rund zwei Drittel der Einrichtungen bieten Plätze an, 74 % haben in den letzten 24 Monaten besetzt, und eine Bewerbungsflut bleibt meist aus. Gleichzeitig empfindet die Mehrheit der Befragten die Situation als „herausfordernd“ bis „kritisch“, aber sieht einen klaren Fachkräftemangel und spricht sich gegen eine Reduktion der Studienplätze aus. Dieser scheinbare Widerspruch lässt sich nur teilweise auflösen: Einerseits sprechen die kleinen, oft bedarfszyklischen Ausbildungskontingente, die als unzureichend oder heterogen bewertete Bewerberqualifikation sowie bürokratische, finanzielle und föderale Hürden eher für ein strukturelles Passungsproblem als für einen reinen Bewerberüberschuss. Andererseits zeigen die 21 % der Einrichtungen mit mehr als zehn Bewerbungen pro Stelle bei gleichzeitig sehr kleinen Kontingenten, dass zumindest in Teilsegmenten eine spürbare Konkurrenz unter Berufseinsteigenden besteht – ein Befund, der durchaus auch als Hinweis auf ein Ungleichgewicht zwischen Studienplatz- und Stellenzahl gelesen werden kann. Da die Umfrage ausschließlich unter bereits beschäftigten MPE durchgeführt wurde, bildet sie zudem primär die Anbieterperspektive ab; die tatsächlich von Stellensuche betroffenen Absolventinnen und Absolventen kommen nicht direkt zu Wort, was beide Lesarten relativiert. Insgesamt deutet die Datenlage am ehesten auf ein Zusammenspiel hin: ein überwiegend strukturelles Passungsproblem zwischen Ausbildungskapazität, regulatorischen Rahmenbedingungen und Bewerberqualifikation, ergänzt durch eine in einzelnen Regionen und Segmenten durchaus reale quantitative Verknappung der Ausbildungsstellen gegenüber der Zahl der Studienabsolventen.

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